Gedichte aller Art /Gemischte Gedichte
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Szenen einer Ehe (auch als karnevalistische Büttenrede geeignet)
Ich will euch heut' Abend in kurzen Gedichten
über Szenen meiner glücklichen Ehe berichten.
Ihr werdet wohl staunen
und den Kopf schütteln drüber,
doch könnt ihr mir glauben:
Mein Mann ist ein lieber!
Ich werde von vorne bis hinten verwöhnt.
Das merkte ich schon in der Hochzeitsnacht.
Und ich hab schon damals voll Wonne gestöhnt:
Mannomann, hab ich einen Fang gemacht.
Am nächsten Morgen, um zehn nach sieben
-
ich wollt grade aufsteh'n um Tee zu kochen -
da flüstert er zärtlich: Mein Schatz, bleib nur liegen,
du brauchst ab sofort nicht mehr zu malochen.
Kuschel dich nochmal ein und mach's dir recht nett.
Den Tee, den koch ich und bring dir'n ans Bett.
Ich war ganz geplättet und hab nur gedacht:
Mannomann, hab ich einen Fang gemacht.
Dann wollt' ich wie früher den Haushalt
versorgen.
Er sagte: Na gut, Schatz, doch nur noch bis morgen.
Dann nehmen wir uns eine Putzfrau ins Haus.
Geh doch spazieren, und dann ruh dich aus.
Pfleg deinen Körper, erquick deine Seele,
ruf mich im Büro an, sag, dass ich dir fehle!
Zu Abschied hat er dann zärtlich gelacht.
Mannomann, hab ich einen Fang gemacht.
Dann planten wir eine Urlaubsreise.
Ich dachte langsam, ich krieg eine Meise.
Wir blättern in Katalogen und so
und in Prospekten vom Reisebüro,
da drückt er mir'n Haufen Kies in die Hand
und sagt: Buch was Hübsches, mit Sonne und Strand.
Doch möchtest du lieber in den Schnee,
so finde ich das auch okay.
Ob Möbel, ob Urlaub, ob Kinder, ob Kleidung,
mein Liebling, triff du allein die Entscheidung.
So wie du es machst, so ist es mir Recht.
Tja, ihr Lieben, da staunt ihr nicht schlecht.
Und natürlich genieße ich meine Macht.
Mannomann, hab ich einen Fang gemacht.
Das war nicht vorbei nach den Flitterwochen.
Ich brauche nicht mal mehr selbst zu kochen.
Er kommt vom Büro, bind' die Schürze sich um,
ich liege derweil im Solarium.
Und bin ich dann ausgeruht und frisch,
dann setz ich mich an den gedeckten Tisch.
Der ist mit Servietten und Kerzen geschmückt.
Und wieder einmal hab ich ganz beglückt
und mit heimlicher Freude im Stillen gedacht:
Mannomann, hab ich einen Fang gemacht.
Das ging dann so weiter, ich will's euch verraten:
Ich bring nicht mal mehr den Kompost in den Garten.
Kaum nehm ich den schweren Eimer zur Hand,
kommt mit großen Schritten mein Gatte gerannt.
Du sollst doch nicht tragen, denk an deinen Rücken.
Dabei kann er selber sich kaum bücken.
Dann hat er, ich wage es euch kaum zu sagen,
mich und den Eimer in den Garten getragen.
Dass die Füßchen nicht schmutzig werd'n, hat er 'gesacht'...
Mannomann, hab ich einen Fang gemacht.
Dann kam irgendwann unsre Tochter zur Welt.
Mach dir keine Gedanken, sprach darauf mein Held,
du brauchst auch in Zukunft, drauf hast du mein Wort,
auf nichts zu verzichten, nicht auf deinen Sport,
auf Kino nicht und nicht auf Theater.
Dafür hat das Kind ja schließlich 'nen Vater.
Auch würde mir schier das Herz zerspringen,
könntest du montags nicht mehr zum Singen.
Und gehst du mit deinen Freundinnen aus,
dann bleibe ich selbstverständlich zu Haus.
Ich gebe dann gern auf die Kleine acht.
Mannomann, hab ich einen Fang gemacht.
Und wenn es im Winter stürmt und schneit,
ist er schon morgens vor der Arbeit bereit,
rund um das Haus auf allen Wegen
und auch am Eingang die Treppe zu fegen,
gut ausgerüstet mit Schaufel und Besen.
Mein Goldstück, du kannst derweil Zeitung lesen.
Die Kälte da draußen ist schlecht für die Nieren,
auch könnten deine zarten Finger erfrieren.
Also hab ich die Füße auf den Tisch gelegt
und mit Feile und Lack meine Nägel gepflegt.
Dann hab ich mir still ins Fäustchen gelacht:
Mannomann, hab ich einen Fang gemacht.
Und geh ich spazieren im Winter einmal,
packt er mich warm ein mit Mütze und Schal.
Ich tolle mit dem Kind voller Übermut
ab durch den Schnee uns gehts richtig gut
Dann komme ich heim mit hochroten Ohren.
Schon ruft er: Oh Liebling, hast du etwa gefroren?
Ich lass dir ein Bad ein, oh du meine Süße.
Ich hol dir 'nen Glühwein, massier dir die Füße.
Ich hab im Kamin schon ein Feuer entfacht.
Mannomann, hab ich einen Fang gemacht.
Und dann, eines Abends, ich werd's nie vergessen,
hab ich mit Freundinnen in der Kneipe gesessen.
Der Wein floss in Strömen, die Stimmung war toll,
um viertel nach elf war ich sternhagelvoll.
Zwei Mädels nahmen mich in ihre Mitte,
wir wankten nach Hause mit schwankendem Schritte.
Dort hat mich mein Mann dann zärtlich gepflegt,
voller Fürsorge mich ins Bett gelegt,
liebevoll, wie auf der Hochzeit versprochen.
Ich hab dann noch mehrmals des nachts am Riechsalz gerochen ;-)
Er hat mir den Eimer gehalten und die Stirne gekühlt
und über'n Kopf gestrichen ganz sacht.
Und ich hab wieder voll Inbrunst gefühlt:
Mannomann, hab ich einen Fang gemacht.
Ich schlief einen tiefen, glücklichen Schlaf.
Doch dann bin ich aufgewacht, ich Schaf.
In meinem Kopf war wieder völlige Klarheit.
Mit Wucht traf mich die entsetzliche Wahrheit.
Ich blickte mich um und glaubte es kaum:
Aus und vorbei, es war nur ein Traum.
Wär' alles so herrlich, wie ich's geträumt
diese Nacht,
Mannomann, hätt ich einen Fang gemacht...
(Eingesendet von Gunda J.)
(Hinweis: Gunda J. ist persönlicher Urheber des Gedichtes und alle Rechte daran liegen bei Ihr.)
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